KmfSylt 2021

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18. -22. JULI 2021

FREEDOM

Das Kammermusikfest Sylt 2021

feiert die Freiheit

 

 

Unter dem Festival-Motto „Freedom“ hätte der Freigeist Ludwig van Beethoven im Sommer 2020 als großer Jubilar der Musikwelt im Mittelpunkt des Kammermusikfest Sylt gestanden. Diese Würdigung musste pandemiebedingt abgesagt werden, doch Ende Juli 2021 wird der musikalische Diskurs über das Thema Freiheit erneut begonnen und fortgeführt, aus gutem, akutem Grund. Denn gerade durch die mit der Corona-Pandemie verbundenen Einschränkungen wird der Wert unserer Freiheit neu definiert, und ebenso ist der Umgang mit ihr zu hinterfragen. Die Werke des Festival-Programms werden von freien Künstlern interpretiert, die sich keinem Schubladendenkenunterordnen wollen.

Freiheit manifestiert sich in vielen Facetten unseres Zusammenlebens und in den Spiel-Regeln unserer Gesellschaft. Sie thematisiert physische und virtuelle Grenzen. Sie nimmt Einfluss auf die Natur, auf Wirklichkeit und Vorstellungskraft, sie stellt Fragen an Religionen und Politik. Tanz und Meditation sind weitere Möglichkeiten, sich ihr anzunähern, die Revolution ist ein radikaler Schritt hin zum großen Ziel, gegen alle Widerstände. Aus all diesenAspekten ergeben sich konzeptionelle Programmlinien, die das Kammermusikfest Sylt 2021 prägen.

 

In einem Jahr,das von einem weiteren gesellschaftlich relevanten Jubiläum beeinflusst ist: Seit 1700 Jahren gibt es jüdisches Lebenin Deutschland. Um diese Kontinuität zu feiern, wird der israelische Komponist Matan Porat als erster „Composer in residence“ zum Kammermusikfest Sylt eingeladen. Außerdem bereichern Kompositionen und Zitate aus derjüdischen Tradition das Programm. So wird das Festival seinen Beitrag zu einem gesamtgesellschaftlichen Dialogleisten, in dessen Zentrum gemeinsame Freiheit, Verständnis und Offenheit sowie der Abbau von Vorurteilenstehen.

 


SONNTAG 18. 

 

FREIGEIST Sylt Museum, Keitum, h 12 | Konzert für den Freundeskreis

 

 

Ludwig v. Beethoven, Streichquintett in Es-Dur op. 4

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GRENZENLOS | Kirche St. Nicolai, Westerland, h 20 | Eröffnungskonzert 

 

 

 

Pablo Casals, Song of the birds

Antonio Vivaldi, Frühling aus „Vier Jahreszeiten“

Lars Erik Larson, Arioso aus “Concertino”

Debussy/Beamish, La mer -Klaviertrio Fassung

Doron Segal, Screaming Forest

Arvo Pärt, Fratres für Violine und Klavier

George Crumb, Vox Balaenae für drei maskierte Spieler

 

Das Eröffnungskonzert des Festivals erzählt von den unüberschaubaren Weiten der Natur, vom Himmel, der Erde und vor allem dem Meer. Zum Auftakt begrüßen verschiedene Vögel im alten katalanischen Lied „El cant delsocells“ Christus in Gestalt einer Blume. Im „Frühling“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ erklingt ein Neuanfang. Derisraelische Jazzpianist und Arrangeur Doron Segal beschreibt in seinem elektronischen Genre-Mix aus Jazz, israelischer Folklore, Klassik und Rock seine Erlebnisse im tiefen Wald. Nach Liszts Bearbeitung des Schubert-Lieds„Auf dem Wasser zu singen“ folgt Debussys impressionistische Orchesterkomposition „La Mer“, hier in einerfaszinierenden Kammermusik- Version zu erleben. „Vox Balaenae“ des US-Amerikaners George Crumb geht buchstäblich tiefer, das 1971 uraufgeführte Stück wurde durch eine Tonband-Aufnahme von Buckelwal-Gesang inspiriert. Die drei Ausführenden tragen während der Aufführung Masken, die Musik wird elektronisch verfremdetund die Bühne soll in tiefblaues Licht getaucht werden, um den Effekt dieser naturalistischen Klangreise zu intensivieren. Crumbs Absicht: „Indem sie das Gefühl der menschlichen Projektion auslöschen, sollen die Maskendie mächtigen unpersönlichen Kräfte der Natur darstellen."

 

 


 

MONTAG 19. 

 

ROY BEI ROY | Roy, Westerland, h 18.30 | Kammermusik to go

 

 

Musik mit flöte und Elektronik

 

 

Gegen den kleinen Hunger zwischendurch auf Kultur und Begegnung bietet das Kammermusikfest Sylt ein attraktives kurzes Konzert-Format. In einem Westerländer Modegeschäft bieten der israelische Flötist Roy Amotz und der Ladeninhaber Roy Komorr musikalische Experimente an, die den Alltag bereichern. Soul Food als kleineKreativpause im Alltag.

 

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DAS UNTERBEWUSSTSEIN SPRICHT | Klappholttal, Akademie am Meer, h 20:30 & 22:00

 

Achtung:

Geänderte Zeit! Neu um 20:30 Uhr und um 22 Uhr

 

Matan Porat, Fantasy für Violine und Klavier

Franz Schubert, Fantasie f moll für vierhändiges Klavier

Tōru Takemitsu, Voice für Flöte solo

Jordi Carrasco Hjelm, Episodes of Inner Life

Gabriel Fauré, Après un reve 

Improvisationen zu Lotte Reinigers Scherenschnittfilmen

 

Fantasie ist der Treibstoff jeglicher Kreativität. Sie treibt das Unterbewusste, sie formt Ideen, Einfälle und Gemütsschwankungen zu Neuem. Die Persönlichkeit Schuberts verwirklichte sich vor allem im Spiel mit dem Moment, seine f-Moll-Fantasie D 940 ist ein zentrales Spätwerk. Als zeitgenössischer Kontrast und Fortführung derSuche nach Mehr erklingt Matan Porats „Fantasy“ für Violine und Klavier. Toru Takemitsu erweitert dieAusdruckspalette des Spiels in „Voice“ für Solo-Flöte um ausdrucksstarke Spielanweisungen. In Faurés „Après unrêve“ singt die Stimme der Viola ein Lied über einen Traum und das Erwachen daraus. Die Scherenschnitt-Künstlerin Lotte Reiniger hat 1926 mit „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ ein Kapitel Filmgeschichtegeschrieben. Zu Ausschnitten aus ihrem Schaffen improvisieren die Mitwirkenden des Konzerts, dieGrundstimmung des Abends aufgreifend.

 

 

 

 


 

DIENSTAG 20. 

 

INNERE BEFREIUNG | Kirche St. Nicolai, Westerland, h 11.30

 

 

David Popper, Requiem für drei Celli und Klavier

Bedrich Smetana, Klaviertrio in g moll

Matan Porat, Cadenza für Streichquartett

Richard Strauss, Metamorphosen für Streichseptett

Den Umgang mit Schicksalsschlägen thematisieren vier fein aufeinander abgestimmte Werke: Der legendäre Cellist David Popper, der unter anderem mit Brahms Kammermusik spielte, schrieb im Gedenken an seinen erstenVerleger und guten Freund Daniel Rahter ein sehr persönliches „Requiem“, das ohne menschliche Stimmenauskommt. Die herzzerreißende Trauer nach dem Tod seiner viereinhalbjährigen Tochter Bedriska schrieb sich BedrichSmetana 1855 im g-Moll-Klaviertrio op. 15 von der Seele. Dem letzten Abschied vom verlorenen Kind folgt lebensbejahend das Hauptthema in einer lichterfüllten Dur-Variante. Matan Porat, der israelische „Composer inresidence“ des Kammermusikfests Sylt 2021, modellierte in seiner „Cadenza“ aus den letzten Takten aus dem Adagio von Bachs C-Dur-Violinsonate BWV 1005 ein Nachdenken überdas musikalische Material. Der greise Richard Strauss verarbeitete die apokalyptischen Schrecken des Zweiten Weltkriegs und den Zusammenbruch seiner Heimat und ihrer kulturellen Werte in den späten „Metamorphosen für 23Solostreicher“, die 1946 uraufgeführt wurden und einen letzten Abgesang auf die klassische Schönheit darstellen;am Ende zitiert Strauss vielsagend das Trauermarsch-Motiv aus Beethovens „Eroica“. Viel unbekannter und enorm faszinierend ist die Urfassung für eine deutlich kleinere Kammerbesetzung.

 

 

 

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REVOLUTION | Kursaal3, Wenningstedt, h 19

 

 

Johann Sebastian Bach, 3. Brandenburgisches Konzert BWV 1048

Matan Porat, Zwei Bagatellen für Streicher

Gareth Lubbe, “Ubuntu - A Longer Walk to Freedom” für Viola und Obertongesang

Dmitri Schostakowitsch, Streichquartett Nr. 8 c-Moll, op. 110 

 

Eine Revolution ist der ultimative Schritt, der Ruf nach Freiheit, das Ende des Wartens. Kreative Freiheit, die Formen beherrschend und dennoch den Rahmen sprengend – diese Stärke spielte Johann Sebastian Bach auch inseinen „Brandenburgischen Konzerten“ aus. Er bezog sich zwar auf das Baumuster des italienischen Concerto grosso,kümmerte sich bei Besetzungsfragen nicht um Konventionen. Das 3. Konzert schrieb er für drei Violinen, dreiBratschen und drei Celli, eine seiner vielen Zahlenspielereien und gleichzeitig eine subtil umgesetzte formale Revolution. Gareth Lubbes "Ubuntu" ist die klingende Auseinandersetzung eines weißen Südafrikaners mit den Untaten seiner Vorfahren und der beschämenden Geschichte der Apartheid. Eine Vielzahl von Gesangstechniken,die von den indigenen Bewohnerinnern und Bewohnern der Kalahari bis zu den Umngqokolo-Sängern des Xhosa-Volkes stammen, prägen das Werk – ein zu Herzen gehender Ausdruck von Lubbes lebenslangem Projekt, den kulturellen Reichtum seines Landes zubewahren und seine kulturellen Identitäten tiefer zu hinterfragen. Das Ringen mit der jeweils herrschenden Staatsmachtprägte Leben und Werke des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch. Sein Werkkatalog dokumentiert vieleWerke, die als Balanceakt entstanden. Schostakowitsch fiel in existenzbedrohende Ungnade, galt mal als linientreu und dann wieder als verdächtig. Sein berühmtes 8. Streichquartett, 1960 uraufgeführt, widmete er – vielsagend undvirtuos uneindeutig formuliert – „den Opfern von Faschismus und Krieg“. Schostakowitsch zitierte auch hier, wie so oft, aus eigenen Werken, unter anderem ein hebräisches Thema aus dem Klaviertrio Nr. 2. Er vertonte außerdem prominent seine musikalischen „Initialen“ D-S-C-H.

 

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FREE PLAY | Kursaal3, Wenningstedt, h 21.15

 

 

Doron Segal, Jazz Piano & Electronic

 

Bei einem Festival-Konzept über die Bedeutung von künstlerischer Freiheit darf ein Abend mit Jazz nicht fehlen.Diese Facette des Themas variiert der israelische Pianist Doron Segal bestechend vielfältig. In Segals Musik findensich die unterschiedlichsten Einflüsse, nicht nur Jazz, sondern auch elektronische Musik, Folklore, Klassik undRock, er formt daraus einen Personalstil, der Reibungen und Spannungen erzeugt, der zum Entdecken anregt undden Horizont erweitert. Jazz eben.

 

 

 


 

MITTWOCH 21. 

 

MEDITATION |  Arena (ggü. Friesensaal), Keitum, h 8 | Kammermusik to flow

 

Frühsport für den Geist und die Seele, ein Miteinander aus Musik, Bewegung und Atmung. Eine meditative Stunde,um Klarheit zu finden für den Tag. Wo und unter welchen räumlichen Bedingungen diese Übung zur Ausgeglichenheit durch Musik stattfindet, richtet sich nach den dann aktuellen Corona-Regeln und nicht zuletztauch – man ist auf Sylt – dem Tages-Wetter.

 

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DIE SPONTANE ERINNERUNG | Muasem Hüs, Morsum, h 16 | Kammermusik to go

 

 

Mieczysław Weinberg, aus der Sonate Op. 108 für Kontrabass Solo

Gabriel Fauré, Sonate Nr. 1 für Geiger und Klavier

 

Kleine Ursachen, riesige Wirkung. In Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ löstenLindenblütentee und Madeleines Erinnerungs-Kaskaden aus, bewusste und unbewusste Rückblicke. Dass in dem Roman-Epos eine fiktive Violinsonate eine wichtige Rolle spielt, war die Inspiration für dieses Konzert. Welches Werk Pate stand, blieb Prousts Geheimnis. Eine gern genannte Kandidatin ist die A-Dur-Sonate von Gabriel Fauré, den der Autor geradezu vergötterte. Dieses Stück war für die französische Kammermusik jener Zeit so epochal und wegweisend wie Prousts Texte für die Literatur; Camille Saint-Saëns schrieb über Faurés Geniestreich: „Man findetin dieser Sonate alles, was verführen kann.“ Eine Erinnerung ganz anderer Art ist die Aufführung der Musik von Mieczysław Weinberg, einem polnisch-jüdischen Komponist des letzten Jahrhunderts, der erst in den letztenJahren die Wertschätzung erfahren hat, die ihm zusteht. Er war enger Freund und Weggefährte von Dmitri Schostakowitsch und hat – wie er – eine Tonsprache geschaffen, die sehr eigen ist und sehr bewegend, zeitlos und zutiefst persönlich. Sie spielt mit Kontrasten und bezieht ihre Kraft immer wieder auch durch Inspirationen aus derjüdischen Folklore. Die Kontrabass-Sonate ist ein faszinierendes Beispiel für die Außerordentlichkeit diesesKünstlers, der im Hier und Jetzt des Kammermusikfests Sylt 2021 zu entdecken ist.

 

 

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ÜBER DIE WOLKEN HINAUS | Kirche St. Nicolai, Westerland, h 22

 

u.a.

John Thow, To Invoke the Clouds

Matan Porat, Requiem

Ernest Bloch, From Jewish Life

Arvo Pärt, Silouan's Song

John Tavener, Mother of god

Beatles/Marmen, Across the universe

Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersgläubigen. Religionen können und müssen im toleranten Miteinander existieren, ohne Wertigkeiten, ohne Konflikte über unterschiedliche Weltanschauungen. Ihre Dialoge mit dem Göttlichen haben Komponisten in allen Jahrhunderten, in allen Tonsprachen geführt und zu Notenpapier gebracht. Dieses Programm dokumentiert diese Bekenntniswerke, über die Jahrhunderte hinweg. Die Bandbreite: ein Ausschnitt aus Haydns Vertonung der „Sieben letzen Worte unseres Erlösers am Kreuze“. John Thows „To Invoke The Clouds“ (1995), das sich auf eine Regenzeremonie der Hopi- Indianer bezieht. ErnestBlochs „From Jewish Life“ mit Anklängen an Kantorgesänge. Leoš Janáčeks „Narodil se Kristus Pán”, die Bearbeitung eines berühmten böhmischen Weihnachtslieds. Ravels Gebets-Vertonung „Kaddish“. Und, last but not least, ein Arrangement des Beatles-Klassikers “Across the Universe”.

 


 

DONNERSTAG 22. 

 

(UN)FREI | Akademie am Meer, Klappholttal, h 11.30

 

 

Clara Schumann, Drei Romanzen

Pjotr Iljitsch Tschaikowski / Matan Porat 2. Satz aus „Souvenir de Florence“ Klaviertrio Fassung

Amy Beach, Theme and Variations op. 80

Benjamin Britten, Lachrymae

 

Wie frei durften Komponistinnen und Komponisten ihr Leben gestalten? Wie groß waren die persönlichenFreiheiten, wie groß und schmerzhaft war deren Einschränkung? Komponistinnen wurden an der Ausübung ihrer Kreativität gehindert, Karrieren wurden ausgebremst. Komponisten, die Männer liebten, waren gesellschaftlicher Ächtung ausgesetzt. Das „(Un)Frei“-Programm hält ein Plädoyer für mehr Freiheit und Toleranz, für mehr Gerechtigkeit. Dass die Pianistin Clara Schumann weniger gewürdigt wurde als die Komponistin Clara Schumann, begleitete die Frau des Komponisten Robert Schumann ein Leben lang. Ihre drei „Romanzen“ op. 22, 1853 entstanden und dem berühmten Geiger Joseph Joachim gewidmet, sind beispielhaft für ihr Können. Doch wie so viele ihrer Werke blieben auch sie ungedruckt und wurden erst 1893, 130 Jahre nach ihrer Entstehung, verlegt. Die 48 Jahre nach Clara Schumann geborene US-Amerikanerin Amy Beach war eine energische Intellektuelle: Sie komponierte, wareine erfolgreiche Konzertpianistin und schrieb auch vielbeachtet über Musik. Doch nach ihrer Heirat musste sie die Erlaubnis ihres Mannes einholen, um ihre Werke zu veröffentlichen. Neben Großformatigem wie der „GaelicSymphony“ entstand auch feingearbeitete Kammermusik wie das „Theme and Variations“ op. 80. Um seine Homosexualität zu verbergen, entschied sich Peter Tschaikowsky zu einer Heirat, die nie mehr als eine schmerzhafte Farce war. Seine Sehnsucht nach Schönheit und Anmut schrieb er auch ins berühmte Andante cantabile aus seinem 1. Streichquartett, ein Frühwerk, in dem er die erste Geige die Melodie eines anrührendenukrainischen Volkslieds zitieren lässt. Für den englischen Komponisten Benjamin Britten war der Tenor Peter Pears,Liebe und Muse seines Lebens, doch in der Öffentlichkeit waren sie kein Paar. In „Lachrymae“ („Tränen“) schrieb Britten anrührende Variationen über „If my complaints could passions move” des Shakespeare-Zeitgenossen JohnDowland.

 

 

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TANZ-DRANG | Friesensaal, Keitum, h 20 | Abschlusskonzert 

 

 

 

Béla Bartok, Rumänische Volkstänze

Obertongesang-Improvisationen

Antonin Dvorak, Klaviertrio “Dumky“ op. 90

Giovanni Sollima, Federico II

Bach/Givol, aus dem Bach Suite Project

Matan Porat, Premiere „hofesh“ für Streichquintett und tanzenden Flötist

 

Das Konzept des Konzerts „Tanz Drang“ betrachtet Freiheit als Körperlichkeit, das Bedürfnis nach Tanz alsAusdruck der Befreiung des Körpers. Dieses existenzielle Mitteilungsbedürfnis findet man in Klassikern desRepertoires genauso wie in zeitgenössischer Musik. Den Auftakt bildet ein mitteilungsstarkes Stück des italienischen Cellisten Giovanni Sollima, gefolgt von einer improvisierten Performance des Bratschers und Obertonsängers Gareth Lubbe, der aus Südafrika stammt. Eine Uraufführung wird Matan Porats „hofesh“ sein, ein Werk für Flöte und Streichquintett, bei dem der Name Programm ist, denn „hofesh“ ist das hebräische Wort für„Freiheit“. Dvořáks bekanntes „Dumky“-Trio op. 90, ein faszinierender melancholischer slawischer Volkstanz in sechs Abschnitten, bildet den angemessenen Abschluss dieser Gedankenspiele. Die unbändige Freiheit im Umgang mit denAusdrucksmöglichkeiten hält das Publikum in fast schon atemloser Spannung, weil nie klar vorhersehbar ist, welche Wendung das Stück wohl nehmen wird.